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LebensMittelPunkte

LebensMittelPunkte sind Orte, an denen regionale, gerettete und fair gehandelte Nahrungsmittel produziert, gelagert, verteilt und verarbeitet werden. LebensMittelPunkte (LMPs) sind nachbarschaftliche Treffpunkte von Menschen eines Dorfes oder eines Stadtteils, um gemeinsam zu essen, sich auszutauschen und um voneinander zu lernen. Und das Tolle: Alle Menschen sind willkommen! Nach dem Vorbild der Ernährungsräte in Berlin und Freiburg setzt unser Arbeitskreis „Marburger LebensMittelPunkte“ das Konzept für den Stadtteil Wehrda bereits sehr erfolgreich um.

LMPs als lokale Werkstätten für die Ernährungswende

LMPs sind multifunktionale Orte, an denen zum Beispiel:

  • Obst und Gemüse in Gemeinschaftsgärten oder mobilen Beeten angebaut wird, 
  • in einem Dorfladen eine Abholstelle für Gemüsekisten integriert ist,
  • ein Mitgliederladen einen Mittagstisch anbietet und eine Fair-Teiler-Station geretteter Lebensmittel eingerichtet ist,
  • Gemeinschaftsküchen der Zubereitung von Speisen für Kochkurse sowie der Ernährungsbildung dienen. 

Alle LMPs machen den Zugang zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln also so einfach wie möglich. Sie sind Treffpunkt, Lern- und Austauschort vor allem für Bürger:innen aus einem Stadtteil. Sie machen Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz erfahrbar und wirken der Lebensmittelverschwendung entgegen. Und sie sind Orte, an denen die internationalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) im Rahmen des Ernährungssystems umgesetzt werden. 

Gemeinschaft, Genuss und gutes Leben

Die Mitglieder eines LebensMittelPunkts richten ihr Handeln nach Werten aus. Sie wollen etwa die lokale und solidarische Ökonomie fördern, ökologische und soziale Nachhaltigkeit fördern und funktionieren durch Partizipation.

Ein LMP-Netzwerk arbeitet nicht profitorientiert, sondern kostendeckend und nach den Prinzipien des Gemeinwohls. LMPs sind keine reinen Orte des Konsums, sondern spiegeln die soziale und kulturelle Vielfalt der Region wider und bieten Treffpunkt, Austausch, Bildung, Kultur und Genuss. LMPs fördern ein innerstädtisches Ernährungssystem.

Der LMP in Marburg Wehrda

Tanja Neuschild hat im Marburger Stadtteil Wehrda bereits im Februar 2022 einen LMP gegründet. Ihr Ziel: Bis zum Jahr 2030 Ernährungssouveränität durch lokale LebensMittelPunkte erreichen und die LMPs auch in andere Marburger Stadtteile bringen. Denn schließlich will auch die Universitätsstadt Marburg bis 2030 klimaneutral werden. 

Tanja arbeitet dort zusammen mit weiteren Aktiven des Ernährungsrates an fünf Projekten:

Menschen aus Wehrda können in den Saisongärten ihr eigenes Gemüse anbauen. Der Landwirtschaftsbetrieb Müller stellt dazu einen Acker.

Die Food-Coops sind eine selbstorganisierte, nachbarschaftliche Einkaufsgemeinschaft, die Kleinbäuer:innen und Kleinerzeuger:innen unterstützt. 

Beim Nachbarschaftsmarkt, der an vielen Freitagen jeden Monat stattfindet, gibt es Selbstgemachtes und Selbsterzeugtes aus der Nachbarschaft, gemeinsame Bestellungen bei Kleinbäuer:innen und ein offenes Miteinander. Auch Nicht-Wehrdaer:innen sind ausdrücklich eingeladen!

Der Wehrdaer Kinderacker bietet Ernährungsbildung für die nächste Generation an: Dort lernen Kinder nicht nur beim gemeinsamen Anbau Fürsorge und Verantwortung zu übernehmen, sie lernen auch, wo Lebensmittel herkommen, und was saisonale und regionale Ernährung ist.

Ebenso ist ein Bildungsprogramm für Erwachsene im Aufbau, um Workshops, Vorträge und Exkursionen rund um Lebensmittel, deren Erzeugung, Einkauf, Zubereitung und Konsum anzubieten.


Im nächsten Jahr, 2023, soll für die vor Ort angebauten, gemeinschaftlich beschafften sowie geretteten Lebensmittel auch eine Verarbeitungsmöglichkeit in einer gemeinschaftlich genutzten Küche geschaffen werden. 

Das Projekt in Wehrda ist ein Pilotprojekt. Nach erfolgreicher Umsetzung wollen wir weitere LebensMittelPunkte in anderen Marburger Stadtteilen etablieren.

Ihr wollt mehr über den Arbeitskreis und den LMP in Wehrda erfahren? Hört in den Podcast von Stadtgespräch Marburg rein oder besucht Tanjas Blog Vitamin N. Auch die Oberhessische Presse hat bereits über das Projekt berichtet.

Aktuelle Infos findet ihr auch auf dem Instagram-Kanal.