Filmvorführung: „Der Bauer und der Bobo“ und Diskussion mit Landwirt*innen aus der Region
Das Interesse am Film und an der anschließenden Diskussionsrunde am 14. Januar war groß. Mehr Menschen als der Kinosaal Sitzplätze zur Verfügung stellte, sahen sich den Film vom „Wutbauern“ und dem Zeitungsschreiber „Der Bauer und der Bobo“ an. Ein Film voller Emotionen, vom Leben und Arbeiten auf dem höchst gelegenen Hof der Steiermark, von Existenzängsten, von einem Landwirt mit Herzblut für Landwirtschaft und für seine vielen verschiedenen Tiere. Ein Landwirt, der von der konventionellen Landwirtschaft und dem System, was stetigen Wachstum bedarf, um die Kredite an die Bank zahlen zu können, weg möchte, hin zu einer natürlichen Kreislaufwirtschaft. Wegen eines Versicherungsfalls stand nun der Hof zur Versteigerung und damit Christian Bachler kurz vor dem Aus. Er betreibt den Hof noch immer, was durch eine unglaubliche Spendenaktion möglich gemacht wurde.
Mir hat dieser Film und die anschließende Diskussion gezeigt, dass sehr vielen Verbrauchern aber auch der Politik nicht bewusst ist, welchen Arbeitseinsatz und Verantwortung Landwirt*innen haben, die biologisch und ökologisch und in Kreislaufwirtschaft denken und abseits der Industrie mit Massentierhaltung arbeiten.
Das bewegte das Publikum
Nur wenige Menschen machen sich diesbezüglich Gedanken und fragen sich, was man als Verbraucher direkt tun kann, um solche kleinen Betriebe und Landwirt*innen zu unterstützen, so auch eine Frage aus dem Publikum im Anschluss an den Film. Matthias Fries-Herbst, der selber einen Bioland-Betrieb in Oberasphe leitet und einer von drei Landwirt*innen ist, die sich für die Diskussionsrunde vor das Publikum gewagt haben, antwortet schlicht auf diese Frage mehr die Direktvermarktung zu nutzen. Zwischenhändler, wie Supermärkte verdienen mit dem Handel an den immer teurer werdenden Produkten und bei den Landwirt*innen kommt wenig bis nichts an.
Eine weitere Frage aus dem Publikum bezog sich auf Strukturen in der Region, die die ökologische Landwirtschaft in der Region unterstützen. Claudia Smolka von der Seelbacher Ziegenkäserei antwortete, dass es wegen eines Politikwechsels nun die Ökomodelregion eingestampft wurde, was sehr schade sei, aber im Gegenzug in einer Pressemitteilung der Grünen sich für eine gerechtere Flächenvergabe für Landwirt*innen und Existenzgründer eingesetzt wird. Ihre Bitte an den Verbraucher ist es auch selber mal bei der Gemeinde nachzufragen, wie die Flächen verpachtet werden und sich einzumischen.
Tatjana Bernreuther von der Ohäuser Mühle in Schweinsberg gibt zu bedenken, dass die meisten der Flächen nicht in landwirtschaftlicher Hand sind, sondern Großkonzernen gehören. Sie betont, dass der Boden unsere wichtigste Grundlage ist, unabhängig von anderen Ländern Nahrungsmittel zu produzieren.
Mit finanziellen und strukturellen Problemen sehen sich viele kleinbäuerliche Betriebe konfrontiert, einem System der Agrarindustrie gegenübergestellt, das sie zur Aufgabe ihrer Existenzen und Schließung ihrer Höfe zwingt. Deswegen möchte das Bündnis „Wir haben es satt“ auch dieses Jahr wieder mit einer großen Kundgebung in Berlin am 17.01.2026 auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam machen und Forderungen an die Politik stellen.
Mit dieser Filmvorführung wollen auch wir Haltung zeigen und uns für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in bäuerlicher Hand starkmachen.



